Mehr zum Thema in unserer Broschüre

In dieser Broschüre soll erläutert werden, welche Ursachen einem chronischen Handekzem zugrunde liegen können, inwieweit weiterführende Untersuchungen angezeigt sind und wie ein Behandlungskonzept aussehen sollte. Damit wollen wir Ihnen zum einen helfen, dass Sie Ihr Krankheitsbild selbst besser einordnen können, zum anderen möchten wir Ihnen auch die Grundprinzipien der Behandlung beim chronischen Handekzem verständlich machen.


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Handekzem

Behandlungsplanung


Hautschutz ist Bestandteil des Arbeitsschutzes und der ist rechtlich geregelt. So müssen gemäß der Gefahrstoffverordnung z. B. geeignete Schutzhandschuhe zur Verfügung stehen.

Die Behandlung eines chronischen Handekzems kann für den Patienten und seinen behandelnden Hautarzt sehr aufwändig sein. Sie beruht auf gewissen Grundprinzipien.

  Hautpflegemaßnahmen und Hautschutz

Grundbausteine der Behandlung jedes Handekzemtyps und -schweregrads sind eine nachhaltige Basispflege und Rückfettung der Haut mit duftstoff- und konservierungsstofffreien Cremes und Salben. Angepasst an die individuelle Hautbelastung müssen die Hände zusätzlich zum Beispiel durch das Tragen von Baumwoll- oder allergenarmen Kunststoffhandschuhen geschützt werden. Diese Maßnahmen sind auch vorbeugend wirksam und sollten deshalb nach Abheilung eines Handekzems fortgeführt werden.

  Meidung der Auslösefaktoren

Entscheidend für den Behandlungserfolg ist es, dass alle wesentlichen Auslösefaktoren des chronischen Handekzems strikt ausgeschaltet und gemieden werden. Das bedeutet: keine hautreizende Schädigung, keine Feuchtarbeit, kein übermäßiger Wasserkontakt und kein Kontakt mit nachgewiesenen allergieauslösenden Substanzen. Dafür ist es wichtig, dass im Rahmen der Diagnostik die Ursachen des Handekzems abgeklärt und gegebenenfalls eine umfangreiche Allergiediagnostik durchgeführt wurde.

Stoffe, die häufig zu Hautirritationen führen:

Gummihandschuhe Reinigungsmittel Desinfektionsmittel
Metalle Klebstoffe Zement
Farben Gerbstoffe  

Die häufigsten Kontaktallergene:

Nickel(II)-sulfat
Schmuck, Knöpfe, Reißverschlüsse, Besteck, Armbanduhr, Brillenbügel
Duftstoff-Mix Kosmetika, Parfüms, Waschmittel
Perubalsam Duftstoff in Kosmetika, Medikamenten zur äußerlichen Behandlung, Tabak
Thiomersal
Konservierungsmittel in Impfstoffen, Augentropfen
Kobalt(II)chlorid Schmuck, Knöpfe, Reißverschlüsse, Armbanduhr, Zement, Bleich- und Haarfärbemittel
Wollwachsalkohole Salben, Cremes, Druckfarben, Möbelpolitur
Kolophonium Papier, Heftpflaster, Klebstoffe, Polituren, Kosmetika
p-Phenylendiamin Haarfärbemittel, Farbstoffe, Druckfarben
MDBGN/PE Konservierungsstoff in Kosmetika und Medikamenten zur äußerlichen Behandlung
Kaliumdichromat Zement, Leder, Imprägniermittel, Galvanisation
Thiuram-Mix Vulkanisationsbeschleuniger in Gummi
Formaldehyd Desinfektionsmittel, Kunststoffe

Quelle: Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK)

  Grundprinzipen der äußerlichen Behandlung


Abhängig vom akuten Hautzustand werden wirkstoffhaltige Cremes oder Salben, die juckreizlindernd, desinfizierend, antiseptisch und/oder entzündungshemmend wirken, auf das Handekzem aufgetragen.

Die äußerliche Behandlung richtet sich unter anderem nach dem vorherrschenden Erscheinungsbild der Haut. Bei bläschenbildenden oder nässenden Krankheitsbildern (dyshidrosiforme Handekzeme) können austrocknende Maßnahmen wie Handbäder mit synthetischen Gerbstoffen oder fettfeuchte Umschläge den Juckreiz lindern. Liegt eine Verhornungsstörung mit Rissbildung (hyperkeratotisch-rhagadiformes Handekzem) vor, ist das vorrangige Ziel, die Haut wieder weicher und geschmeidiger zu machen. Dazu werden Harnstoff- oder Salicylsäure-haltige Präparate angewandt.

Zur Linderung der Entzündung gelten bei der äußerlichen Handekzemtherapie kortisonhaltige Cremes und Salben als Mittel der Wahl. Diese können gut wirksam sein und gehen in der Regel bei richtiger Anwendung nicht mit bedenklichen unerwünschten Wirkungen einher. Da jedoch gerade schwere und chronische Krankheitsbilder häufig nicht so gut auf kortisonhaltige Präparate ansprechen, sind oft lang andauernde Behandlungszeiträume notwendig. Dies erhöht allerdings das Risiko für das Auftreten von Nebenwirkungen wie zum Beispiel ein Dünnerwerden der Haut. Dies ist nicht erwünscht, weil dadurch mögliche hautirritierende oder allergieauslösende Stoffe leichter in die Haut eindringen und damit die Entzündungsreaktion weiter anstoßen beziehungsweise aufrechterhalten können. Im Einzelfall wird der Hautarzt entscheiden, ob besser kortisonfreie, antientzündliche Cremes oder Salben, die sogenannte Calcineurininhibitoren (z. B. Tacrolimus) enthalten, angewandt werden. Dies ist insbesondere bei der Behandlung atopischer Handekzeme eine Therapieoption.

  Lichttherapie

Eine Lichttherapie kann für die Behandlung des chronischen Handekzems sehr wirksam sein. Jedoch bieten nicht alle Hautarztpraxen oder Hautkliniken diese Therapieform an.

Am häufigsten kommt die sogenannte PUVA-Therapie zum Einsatz. Dabei werden die Hände mit einer speziellen Creme, die die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöht, vorbehandelt und anschließend mit ultraviolettem Licht A (UV-A) bestrahlt. Nach jedem zweiten Behandlungstag muss ein Pausentag folgen, damit sich die Haut erholen kann. Insgesamt sollten über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen wöchentlich drei bis vier Bestrahlungssitzungen erfolgen. Für eine Langzeitanwendung ist eine Lichtbehandlung aufgrund möglicher Risiken wie vorzeitige Hautalterung oder chronische Lichtschädigung der Haut nicht geeignet.

  Systemische (innerliche) Behandlung


Als mögliche Nebenwirkungen können in den ersten Behandlungstagen vorübergehend Kopfschmerzen auftreten und es kann zu einem Anstieg von Blutfett- und Cholesterinwerten kommen. Deshalb sind regelmäßige Blutkontrollen sinnvoll.

Vor allem schwere und chronische Verläufe des Handekzems bedürfen besonderer Aufmerksamkeit und benötigen zusätzlich zur Hautpflege und zum Hautschutz häufig auch eine innerliche Therapie.

Prinzipiell kommen zur innerlichen Behandlung des chronischen Handekzems verschiedene Wirkstoffe in Tabletten- oder Kapselform in Frage. Im akuten, schweren Schub mit Bläschenbildung können kortisonhaltige Tabletten, auch in Kombination mit bestimmten Antibiotika, kurzfristig sehr hilfreich sein. Bei einem schweren, atopischen Handekzem kann der Wirkstoff Ciclosporin, der für die Behandlung der schwer ausgeprägten Neurodermitis zugelassen ist, eingesetzt werden. Es gibt einzelne Berichte, die die Wirksamkeit von weiteren Substanzen beschreiben, die meistens durch eine Herunterregulierung der körpereigenen Abwehrkräfte vermittelt wird. Diese Substanzen sind jedoch alle nicht für das Handekzem zugelassen.

Speziell für die systemische Behandlung des chronischen Handekzems ist erstmals seit November 2008 ein Medikament zugelassen. Dabei handelt es sich um eine Vitamin-A-verwandte Substanz, die auch natürlich im menschlichen Körper vorkommt. Dieser Wirkstoff kann die Entzündung lindern und die Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems abmildern. Er kann zur Behandlung von schweren Handekzemen aller Ursachen und Erscheinungsformen, die einen chronischen Krankheitsverlauf zeigen und auf äußerlich anzuwendende Kortisonpräparate nicht angesprochen haben, eingesetzt werden. Seine Wirksamkeit sowie Verträglichkeit beim schweren chronischen Handekzem wurden vor der Zulassung in umfangreichen klinischen Untersuchungen überprüft und nachgewiesen. Bei einer Studie mit über 1000 Patienten mit schwerem chronischen Handekzem wurde bei einer Gabe von 30 mg des Vitamin A-Abkömmlings bei knapp 50 Prozent der Patienten eine vollständige bzw. fast vollständige Abheilung erreicht.

Stufenweise Therapie bei Handekzemen
   
Systemische Therapie Kortison, Alitretinoin,
Ciclosporin
 
Therapie mit hochwirksamen kortisonhaltigen Salben, Lichttherapie, Alitretinoin
Basispflege, Hautschutzmaßnahmen, Meidung von Allergenen und hautreizenden Stoffen, angepasste äußere Therapie, Therapie mit kortisonhaltigen Salben
Leichtes Handekzem
Mittelschweres bis schweres Handekzem
Anhaltendes oder chronisch wiederkehrendes Handekzem

Die einzelnen Therapieschritte werden dem Krankheitsverlauf, der Krankheitsdauer und dem Schweregrad angepasst und bauen stufenweise aufeinander auf (Quelle: Leitlinie zum Management von Handekzemen, Deutsche Dermatologische Gesellschaft).

Die Behandlungsdauer mit dem Medikament beträgt etwa drei bis sechs Monate. Klinische Studien haben gezeigt, dass etwa zwei Drittel der Patienten auch sechs Monate nach erfolgreichem Einsatz des Medikaments noch keinen Rückfall erlitten hatten. Dabei gilt als behandlungsbedürftiger Rückfall, wenn das Ekzem erneut 75 Prozent des Ausgangsbefundes erreicht.

Frauen im gebärfähigen Alter müssen einen Monat vor der Behandlung, während der Behandlung und bis einen Monat danach unbedingt eine Schwangerschaft ausschließen, da die Substanz eine Schädigung des ungeborenen Kindes verursachen kann. D. h. eine sichere Verhütung muss gewährleistet sein, zudem müssen monatliche Schwangerschaftstests durchgeführt werden.

  Ausblick

Im Einzelfall ist der individuelle Krankheitsverlauf bei einem chronischen Handekzem nicht vorherzusehen und meist von Patient zu Patient verschieden. Eine allgemeine Tendenz lässt sich hier nicht einfach ableiten und angeben. Sicher ist jedoch, dass mit einer angemessenen Ursachensuche, nachhaltiger Hautpflege und Hautschutzmaßnahmen, gegebenenfalls einer berufsdermatologischen Beratung und vor allem einer frühzeitigen, umfassenden, wenn notwendig auch innerlichen Behandlung ein günstiger Verlauf zu erwarten ist. Wichtig ist, dass betroffene Patienten mit Handekzem frühzeitig den Hautarzt für eine kompetente fachliche Beratung und Behandlung aufsuchen, damit schwere und langwierige Verläufe sowie eine belastende Beeinträchtigung für das Alltags- und Berufsleben vermieden werden können.